11.03.2016

Helfer ohne Grenzen – Gemeinsam sind wir stark!

Das THW Bendorf begrüßt den ersten syrischen Flüchtling in seinen Helferreihen

Im Herbst letzten Jahres half das THW Bendorf beim Aufbau der Flüchtlingsunterkunft in Diez. Ein Einsatz, der sicher allen Helfern im Gedächtnis bleiben wird, denn plötzlich bekamen die Flüchtlingen Gesichter. Schnell wurde klar, dass es nicht das materielle Gut ist was den Neuankömmlingen fehlt, sondern soziale Kontakte. Die Helfer lernten, dass Lächeln und freundliche Worte die Türöffner für Integration sind und so entstanden an diesem Tag viele positive Momente in einer eher trostlosen Umgebung.

 

Anja Marotz, Helferin des THW Bendorf, engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe in Höhr-Grenzhausen.

Hierbei erlebte sie auch, dass soziale Kontakte unglaublich wichtig für die Flüchtlinge sind. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf die Sprache an, das Reden mit „Händen und Füßen“ reicht vollkommen. Entscheidend ist, dass echtes Interesse gezeigt wird.

 

Beim Besuch der Flüchtlingshilfemesse in Mainz verband Anja Marotz dann ihre beiden ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie brachte von dort Informationsmaterialien des THW in arabischer Sprache mit. Diese Materialen gab sie dann gezielt in der Flüchtlingshilfe weiter.

 

So auch an einen junger Mann:

Fadi Hassan, studierter Bauingenieur aus Syrien. Er zeigte sofort großes Interesse an den technischen Möglichkeiten und wagte den Schritt: er kam an einem Mittwoch einfach mal im THW Bendorf vorbei.

 

Seitdem ist er Teil der Gemeinschaft.

Fadi spricht gut deutsch, obwohl er erst wenige Monate in Deutschland ist. Wenn er mal ein Wort nicht weiß, geht es kurzzeitig in englischer Sprache weiter und wenn das auch nicht hilft, gibt’s ja noch die Zeichensprache. Alles kein Problem!

 

So ist es auch möglich ihn direkt in die Ausbildungsgruppe aufzunehmen, wo er sich unter anderem auf einen theoretischen Test vorbereitet. Die Ausbildungsunterlagen gibt es auch auf  Englisch, aber die nutzt er selten.

 

Seine Motivation zur Teilnahme am THW war vor allem technischer Natur. Aber auch die Möglichkeit neue Kontakte zu schließen nutzt er gerne. Er stellt fest, dass die deutsche und syrische Kultur sehr ähnlich sind. Gelacht wird in beiden Kulturen, das freut ihn.

Aber einen wichtigen Grund möchte er nicht verschweigen: Wenn der Krieg vorbei ist, geht er wieder nach Syrien zurück, in sein Land, wo noch seine gesamte Familie wohnt. Er will dort Aufbauhilfe leisten, mit den Kenntnissen aus seiner deutschen THW Zeit. Hilfe zur Selbsthilfe!

 

Seine Freundin lebt derzeit in Hamburg in einer Flüchtlingsunterkunft, ein Treffen ist schwierig, der Antrag auf Umverlegung ist gestellt, aber die Erfolgsaussichten sind gering.

So ist es ihm besonders wichtig in Deutschland Freunde zu finden, was gut gelingt.

 

Er sagt, dass es für viele Flüchtlinge nicht leicht ist, am Vereinsleben teilzunehmen. Die Hemmschwelle ist einfach zu groß. Die Leute sind fremd, die Sprache schwierig, viele Menschen sind von der Flucht gezeichnet.

Umso wichtiger ist es, dass sich die deutschen Vereine intensiv bemühen, um die Angst vor dem Neuen zu minimieren.

 

Der Erfolg ist wunderbar zu beobachten. Die Flüchtlinge lernen deutsch, werden sicherer, gewinnen Selbstvertrauen und die Lebensfreude kehrt wieder. So lauten die Erfahrungen von Fadi und Anja.

 

Aber auch die Deutschen gewinnen: Fadi gibt bereitwillig Auskunft über die syrische Kultur und der ein oder andere deutsche Helfer spricht nun einige Worte arabisch. Manchmal erzählt er auch vom Krieg, seiner Familie und der Flucht. Berichte die nachdenklich machen.

 

Das THW Bendorf möchte aufgrund dieser Erfahrungen sein Engagement verstärken. So ist bereits ein Aktionstag für Flüchtlinge geplant. Wir wollen unsere Tore öffnen und sie einladen, Teil der THW-Gemeinschaft zu werden. Aber vor allem möchten wir Ihnen ein normales Leben ermöglichen und sei es nur für einen Tag.

 

Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt – wir sind auf einem guten Weg.


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